Hanflebensmittel aus der Schweiz: gefragt, aber doppelt so teuer

Hanflebensmittel aus der Schweiz: gefragt, aber doppelt so teuer

Zum Mittagessen gab es an der 2. Hanftagung von Agridea und IG Hanf in Zollikofen ein Hanf-Tofu-Curry. Gekocht hatte Roger Bottlang von der Harmonius GmbH, der am Vormittag selbst über Hanflebensmittel gesprochen hatte. Neben ihm stellte auch Marlene Nyffenegger von Alpenpionier ihre Erfahrungen vor. Beide zeigen: Hanflebensmittel aus der Schweiz sind machbar, die Nachfrage steigt. Beim Preis haben Schweizer Produkte aber einen schweren Stand.

Schweizer Hanfnüsse: vom Feld in den Coop

Alpenpionier gehört heute zum Hof Tiefenmühle, einem Bio-Betrieb ohne Tiere. 2024 übernahm der Hof die Marke und die Maschinen und baute im Thurgau eine eigene Mühle auf. Darin werden rund 30 verschiedene Ackerkulturen verarbeitet, Hanf ist eine davon. Angebaut wird er auf rund 20 Hektaren im Thurgau, im Kanton Zürich und in Schaffhausen.

Hanf wächst gut und braucht nach der Saat kaum Pflege. Schwierig wird es bei der Ernte. Die Pflanzen reifen ungleichmässig, die Fasern wickeln sich im Mähdrescher auf, und die Samen müssen sofort auf sieben Prozent Feuchtigkeit getrocknet werden. Dazu kommen Laborkontrollen auf Keime und THC. In der Mühle werden die Samen gereinigt und geschält und kommen als Hanfnüsse, Protein, Öl oder Tee in den Verkauf, unter anderem bei Coop.

Dort zeigt sich das Problem. 100 Gramm Schweizer Bio-Hanfnüsse von Alpenpionier kosten bei Coop 5.60 Franken. Die Bio-Eigenmarken von Coop und Migros mit Hanf aus Österreich und Litauen kosten 2.75 Franken, also rund die Hälfte. Marlene Nyffenegger wünscht sich deshalb einen Zollschutz auf Hanf aus der EU und einen zusätzlichen Beitrag für Ölsaaten, der den Anbau für die Landwirte attraktiver macht. Und sie möchte, dass Hanf sichtbarer wird, auf Speisekarten, in den Medien und auf dem Feld. Das Image als Droge schade dem Absatz nach wie vor.

Hanfsamen verarbeiten: Der Wert entsteht nach der Ernte

Roger Bottlang setzt seit 2011 auf Hanfsamen. Damals suchte er nach neuen Proteinquellen, Hanfprotein, wie man es heute kennt, gab es noch kaum. Seit 2017 stellt er das Hanfsamen-Medaillon Green Harmony her, dazu kommen Brot, Glace, Brownies, Aufstriche und Drinks.

Seine Botschaft an der Tagung: Aus einem Kilo Hanfsamen lässt sich ein Vielfaches an Wert machen, wenn man es verarbeitet und nicht als Rohstoff verkauft. Gerade für Bauernhöfe mit Hofladen sieht er Chancen, etwa mit Öl, Backwaren oder Kosmetik aus eigenem Hanf. Und er erinnert daran, dass die Samen nur ein Teil der Pflanze sind. Fasern und Schäben lassen sich für Einstreu, Dämmstoffe oder Textilien nutzen. Wer die ganze Pflanze verwertet, verdient mehr daran.

Was Hanflebensmittel in der Schweiz brauchen

Hanfsamen sind ein gutes Lebensmittel. Sie liefern hochwertiges Protein und gesunde Fettsäuren, und sie lassen sich in der Schweiz anbauen und verarbeiten. Das haben Alpenpionier und Harmonius bewiesen. Die Rahmenbedingungen sind dabei nicht das grösste Hindernis, auch wenn die Kontrollen auf THC für die Produzenten Aufwand bedeuten. Schwerer wiegt der Preisabstand zur Importware.

Zölle könnten Schweizer Produzenten stützen, würden aber Hanfprodukte insgesamt verteuern. Mindestens so wichtig scheint uns, dass Konsumentinnen und Konsumenten erkennen, woher ihr Hanf kommt, und wissen, was sie daran haben. Solange viele bei Hanf zuerst an Cannabis denken, bleibt der Markt kleiner, als er sein könnte.

Die IG Hanf will diese Fragen mit den Produzenten weiter vertiefen. Wer Hanf für Lebensmittel anbaut, verarbeitet oder verkauft und sich einbringen möchte, kann sich gerne bei uns melden. Einen Rückblick auf die ganze Tagung finden Sie im Beitrag «Nutzhanf in der Schweiz: Rückblick auf die 2. Hanftagung 2026».