Nutzhanf in der Schweiz: Rückblick auf die 2. Hanftagung 2026

Nutzhanf in der Schweiz: Rückblick auf die 2. Hanftagung 2026

Am 24. September trafen sich im Inforama Rütti in Zollikofen Landwirtinnen und Landwirte, Verarbeiter, Forschende und Händler zur 2. Hanftagung. Organisiert haben sie Agridea und die IG Hanf, gesprochen wurde Deutsch und Französisch. Im Zentrum stand der Nutzhanf, also Hanf für Lebensmittel, Baustoffe und Fasern.

Der Tag hat gezeigt, wie vielseitig die Pflanze ist und wie viel Know-how in der Schweiz bereits vorhanden ist. Er hat aber auch deutlich gemacht, dass ein grosser Teil der Wertschöpfung heute im Ausland stattfindet. Das Hindernis ist dabei weniger das Gesetz als die Wirtschaftlichkeit und die fehlende Verarbeitung im Inland.

Hanf als Baustoff

Dieter Baltensperger von der Stroba Naturbaustoffe AG vertreibt seit 1996 Hanfdämmstoffe in der Schweiz, von Matten über Hanfsteine bis zu Lehmbauplatten. Er erinnerte daran, dass Hanf beim Wachsen viel CO₂ bindet, das im Gebäude gespeichert bleibt, und dass Hanfdämmung viel Feuchtigkeit aufnehmen kann, ohne an Wirkung zu verlieren.

Antonia Thüring und Elias Schürch von der Pure Materials AG stellten ein Hanfholz vor, das mit einer patentierten Technik hergestellt wird und für Böden, Möbel und neu auch tragende Platten taugt.

Beide Firmen haben ausgereifte Produkte. Hergestellt werden sie aber in den Niederlanden, in Rumänien und in den USA, und auch der Rohstoff stammt nicht aus der Schweiz. Mehr dazu in unserem Beitrag «Hanf als Baustoff: Was der hohe Ölpreis verändert – IG Hanf Schweiz».

Hanflebensmittel aus der Schweiz

Dass Schweizer Hanf auch wirtschaftlich funktionieren kann, zeigt Alpenpionier. Marlene Nyffenegger vom Hof Tiefenmühle berichtete, wie der Betrieb auf rund 20 Hektaren im Thurgau, in Zürich und Schaffhausen Bio-Speisehanf anbauen lässt, ihn in der eigenen Mühle verarbeitet und unter anderem über Coop verkauft. Die Ernte ist anspruchsvoll, und beim Preis ist der Abstand gross: Schweizer Hanfnüsse kosten im Laden rund doppelt so viel wie Bio-Ware aus Österreich oder Litauen.

Roger Bottlang von der Harmonius GmbH setzt seit 2011 auf Hanfsamen als Proteinquelle. Seine Botschaft: Aus einem Kilo Hanfsamen lässt sich ein Vielfaches an Wert machen, wenn man es selbst verarbeitet, etwa im Hofladen. Wie das schmeckt, konnten die Teilnehmenden beim Mittagessen erleben, das Harmonius mit Hanfprodukten zubereitet hatte. Mehr dazu in unserem Beitrag «Hanflebensmittel aus der Schweiz: gefragt, aber doppelt so teuer – IG Hanf Schweiz».

Faserhanf in der Schweiz: machbar, aber noch nicht rentabel

Rina Rohrbach von der HAFL präsentierte die Resultate eines mehrjährigen Versuchs mit Winterhanf für Textilien. Die Fasern sind fein und von guter Qualität, der Anbau ist aber riskant und stark vom Wetter abhängig. Unter dem Strich blieb pro Hektare jedes Jahr ein Verlust von 1’200 bis 1’350 Franken. Rentabel wäre Faserhanf erst, wenn mehrere Teile der Pflanze genutzt werden oder die Preise steigen.

Simon Collet stellte erste Resultate seiner Masterarbeit an der HAFL vor, einen Sortenversuch mit vier französischen Hanfsorten in Grangeneuve. Interessant war vor allem die Frage, ob sich Samen und Fasern gleichzeitig nutzen lassen.

Jawad Reddani von Proconseil baut in der Romandie eine Interessengruppe für Schweizer Naturfasern auf. Er überträgt dabei Erfahrungen aus einem Projekt mit Schweizer Wolle auf Hanf und Flachs. Unter anderem klärt die Gruppe ab, ob sich ein Zentrum für die Faserverarbeitung in der Schweiz lohnen würde.

Chancen für Nutzhanf in der Schweiz

In der Diskussion wurde schnell klar, dass Lebensmittel und Fasern zwei sehr verschiedene Welten sind, die sich in der Schweiz bisher kaum berühren. Gerade darin könnte aber eine Chance liegen. Feine Textilfasern werden in der Schweiz kaum konkurrenzfähig sein. Wer hingegen Hanf für die Samen anbaut und Fasern und Schäben für den Bau oder als Tiereinstreu nutzt, verwertet die ganze Pflanze. Dafür fehlt in der Schweiz heute aber die erste Verarbeitungsstufe: eine Anlage, in der das Hanfstroh geschwungen und entholzt wird, sodass Fasern und Schäben getrennt vorliegen. Erst dann lassen sie sich zu Dämmmatten, Hanfsteinen, Hanfbeton oder Einstreu weiterverarbeiten. Eine solche Anlage gibt es in der Schweiz derzeit nicht, das Stroh müsste ins Ausland gebracht werden.

Offen blieben Fragen wie diese: Braucht es Zölle oder Beiträge, um Schweizer Hanf konkurrenzfähig zu machen, oder würde das die Produkte nur verteuern? Wären Konsumentinnen und Konsumenten bereit, für Schweizer Herkunft mehr zu bezahlen? Und welche Verarbeitung lohnt sich, ein zentraler Betrieb oder kleine mobile Anlagen in den Regionen?

Die IG Hanf klärt nun gemeinsam mit Agridea ab, wie es weitergeht. Eine Möglichkeit ist eine Arbeitsgruppe Nutzhanf, abgestimmt mit der Interessengruppe in der Romandie. Wer sich dafür interessiert, kann sich gerne bei uns melden.

Wir danken allen Referentinnen und Referenten, Agridea und dem Inforama Rütti für den gelungenen Tag.

Die Präsentationen werden auf Anfrage geteilt.

Bildrechte: Aerial View of Tractor Harvesting Hemp Fields · Free Stock Photo