Die geplante Schweizer Cannabisregulierung setzt auf Kontrolle statt Konsumförderung

Die geplante Schweizer Cannabisregulierung setzt auf Kontrolle statt Konsumförderung

Stellungnahme der IG Hanf Schweiz zum NZZ-Beitrag «Ungesund» vom 2. August 2026

Bern, 4. August 2026

Der Beitrag «Ungesund» in der «NZZ am Sonntag» setzt sich ausführlich mit den gesundheitlichen Risiken einer Cannabisregulierung auseinander. Die IG Hanf Schweiz teilt seinen Ausgangspunkt: Cannabis ist keine harmlose Substanz. Aus unserer Sicht greift die Analyse jedoch dort zu kurz, wo sie die Risiken eines regulierten Markts nicht systematisch denjenigen des heutigen Schwarzmarkts gegenüberstellt. Zugleich zeigt der Artikel selbst, dass nicht die Regulierung an sich über die gesundheitlichen Folgen entscheidet, sondern deren konkrete Ausgestaltung.

Für die Beurteilung entscheidend ist deshalb der Vergleich zwischen dem heutigen Schwarzmarkt und einem regulierten Markt. Der Schwarzmarkt kennt keine verlässlichen Alterskontrollen, deklariert keine Wirkstoffgehalte und prüft keine Verunreinigungen. Ein regulierter Markt schafft demgegenüber verbindliche Alterskontrollen, geprüfte und deklarierte Produkte, Rückverfolgbarkeit, Prävention, klare Abgaberegeln und einen wirksamen Schutz von Jugendlichen. Genau darauf zielt der aktuelle Schweizer Gesetzesentwurf zum Cannabisproduktegesetz. Er sieht starke gesundheitspolitische Schutzmechanismen vor: Nicht gewinnorientierter Verkauf, umfassendes Werbeverbot, Mindestalter 18, eine THC-Obergrenze und eine Lenkungsabgabe, die riskantere Produkte verteuert. Damit begrenzt der Vorentwurf jene kommerziellen Verkaufsanreize, die der Artikel als Haupttreiber der problematischen Entwicklungen in den USA und in Teilen Kanadas erkennt.

Was die vorliegenden Daten zeigen 

Der Artikel kritisiert, dass die Schweizer Pilotversuche nur bereits konsumierende Personen einschliessen und deshalb wenig darüber aussagen, ob eine Regulierung neue Konsumierende schafft. Die Antwort liefern die Daten zum Konsum aus Ländern mit Regulierung. Der Artikel hält fest: In Kanada ist der Cannabiskonsum unter Jugendlichen seit der Legalisierung insgesamt weitgehend stabil geblieben. Der Zuwachs bei Erwachsenen wiederum setzt einen bereits vor der Legalisierung bestehenden Trend fort.

Die bisherigen Umsetzungserfahrungen zeigen, dass eine regulierte Abgabe in einem streng kontrollierten Rahmen praktikabel ist. Die vom BAG in Auftrag gegebene Auswertung hält fest, dass die sieben Pilotversuche bisher ohne nennenswerte Zwischenfälle sowie ohne negative Auswirkungen auf die Gesundheit oder die öffentliche Ordnung verliefen. Die längerfristigen Auswirkungen auf Gesundheit und Konsumverhalten lassen sich gemäss Bericht jedoch noch nicht abschliessend beurteilen.

Die IG Hanf Schweiz vertritt seit Jahren eine klare Position: Ziel einer Regulierung ist nicht die Förderung des Konsums, sondern die Verdrängung des Schwarzmarkts durch einen streng regulierten Markt mit wirksamem Jugend- und Gesundheitsschutz. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Cannabis Risiken birgt. Darüber besteht wissenschaftlicher Konsens, sondern welches System diese Risiken besser reduziert.

«Reguliert wird nicht, um den Konsum zu fördern, sondern um ihn zu kontrollieren. Qualitätsgeprüfte und deklarierte Produkte, ein umfassendes Werbeverbot, klare Altersgrenzen und gezielte Prävention: Das sind zentrale Unterschiede zwischen dem geplanten Schweizer Modell und den stark kommerzialisierten Märkten, vor deren Folgen der Artikel warnt», sagt Renato Auer, Medienverantwortlicher, IG Hanf Schweiz.

Die IG Hanf Schweiz begrüsst den sachlichen Dialog und stellt Redaktionen, Politik und Öffentlichkeit gerne aufbereitete Daten, Studien und Fachpersonen zur Verfügung.

Über die IG Hanf Schweiz. Die IG Hanf Schweiz ist der Branchenverband der Schweizer Hanf- und Cannabiswirtschaft. Sie wurde 2017 gegründet und setzt sich für eine faktenbasierte, gesundheitsorientierte Cannabisregulierung ein.

Kontakt. Lukas Brunner, Geschäftsführender Sekretär, 076 541 04 20, lukas.brunner@ighanf.ch

Link zum Originalartikel der NZZ: Cannabis-Legalisierung: Das weiss man über die Gefahren

How have cannabis use and related indicators changed since legalization of cannabis for non-medical purposes? Results of the Canadian Cannabis Survey 2018-2022 – PubMed

The clouded debate: A systematic review of comparative longitudinal studies examining the impact of recreational cannabis legalization on key public health outcomes – PMC

Ergebnisse aus den Pilotversuchen mit Cannabis