09
Jul 2022

Vorsicht vor dubiosen Cannabis-Investments

Cannabis-Investments erlebten in den letzten Jahren einen regelrechten Boom. So winkte auch für Nicht-Kenner der Hanfbranche und für Kleininvestoren ein extrem renditestarkes und verlockendes Geschäft. Nebst an der Börse gehandelte Aktien von Cannabisunternehmen, bieten seit einiger Zeit zwielichtige Firmen Cannabis-Stecklinge zum Kauf an, welche dann bei der Ernte angebliche Traumrenditen abwerfen sollen – Crowd Growing nennt sich das verlockend tönende Prinzip.

Die Angebote solcher Unternehmen sind jeweils offensichtlich so formuliert, damit sie die hiesigen Finanzmarktgesetze umgehen. So werden z.B. Pflanzen, Ernten, Pflanzenstellplätze verkauft (also als Waren oder Dienstleistungen getarnte Finanzinvestments), zum Teil werden lebenslange Erträge versprochen mit völlig illusorischen Renditen. Es handelt sich zumindest bei den meisten dieser Angebote ziemlich offensichtlich um verbotene Ponzi-Schemes oder Schneeballsysteme, wobei neue Anleger mit den Einlagen von früheren Anlegern bezahlt werden. Nur so sind die unrealistischen Renditen zu erklären.

Im Juli dieses Jahres wurde zum Beispiel in verschiedenen Medienportalen verkündet, dass es sich bei der Firma JuicyFields um einen «Exit Scam» handelte und das Schneeballsystem kollabiert ist, währenddem Einlagen von Anlegern in Millionenhöhe verschwunden sind. Ein Exit-Scam ist eine Art von Betrug, bei dem jemand im laufenden Betrieb Vorauszahlungen für zu liefernde Waren oder Dienstleistungen vereinnahmt, ohne die vereinbarte Gegenleistung zu erbringen und nach einiger Zeit mit den Kundengeldern untertaucht.

Mittlerweile gibt es sowohl in der Schweiz als auch im Ausland vermehrt Unternehmen, die genau auf ein solches Modell setzen und sich nicht davor zurückscheuen, ohne Erlaubnis die Logos von Verbänden und Firmen als Referenz zu verwenden. Ein Beispiel; das Unternehmen «Budbird» bzw. Green Agrotrade AG. Die IG Hanf hat diese Firma schon mehrmals schriftlich aufgefordert, unser Verbandslogo von der Website und Firmenpräsentation zu entfernen, leider ohne Erfolg.

Die IG Hanf – der Branchenverband der Schweizer Cannabisindustrie – rät Anlegern, welche in Cannabis-Unternehmen zu investieren gedenken, diese vorab immer einer genauen Überprüfung zu unterziehen und gegebenenfalls einen professionellen Berater beizuziehen. So sollte zum Beispiel nie in ein Unternehmen investiert werden, ohne dass man die letzte Jahresrechnung inklusive Revisionsstellenbericht oder den Businessplan und die Geschäftsstrategie kennt.

Derzeit häufen sich bei der IG Hanf Anfragen zu anderen Schweizer und ausländischen Unternehmen, welche ein ähnliches Geschäftsmodell wie dasjenige von JuicyFields betreiben.

Detaillierte Artikel zu JuicyFields und weiteren Unternehmen, welche ähnlich zweifelhafte Investments anbieten, finden sich unter folgenden Links:

https://blendbuster.com/tatort-juicyfields/

https://benedikt-lechner.com/author/benedikt/

https://www.tagesanzeiger.ch/wie-schweizer-cannabis-investoren-ein-vermoegen-verloren-228525154624

https://www.dw.com/de/exit-scam-und-betrug-mit-cannabis-bei-juicyfields-stehen-tausende-anleger-vor-gesperrten-konten/a-62551560