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19
Aug 2020

Sichtweise der IG Hanf zu diversen Medienberichten über «synthetisches Cannabis»

Nur ein regulierter Markt verringert gesundheitliche Risiken

Die IG Hanf verurteilt die illegale Praxis der Anreicherung von legalem CBD-Hanf mit illegalen Chemikalien wie etwa künstlich hergestellten Cannabinoiden. Einen wirksamen Schutz der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten kann jedoch nur eine Regulierung des Anbaus und des Handels mit allen Cannabis-Produkten bieten.

Die Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie hatten in den vergangenen Monaten auch Auswirkungen auf den Handel mit nicht-legalem Cannabis. Dessen Verfügbarkeit auf dem Schwarzmarkt hat abgenommen. Als Reaktion darauf wurde offenbar vermehrt getrecktes oder mit synthetischen Cannabinoiden aufgeputschtes Cannabis in Umlauf gebracht. Solche veränderten Produkte sind nicht mit denjenigen aus natürlichem Hanf vergleichbar. Konsumentinnen und Konsumenten sind aufgrund der hohen Potenz von künstlichem THC und dessen Unberechenbarkeit hohen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt.

Die IG Hanf als Verband der Cannabis-Branche und ihre Mitglieder engagieren sich für den Anbau und Handel mit legalem CBD-Hanf und daraus gewonnen Erzeugnissen. Sie verurteilen die illegalen Methoden der Anreicherung von CBD-Hanf mit Chemikalien scharf.

Saubere Produkte für saubere Geschäfte

Die Mitglieder der IG Hanf verpflichten sich mit einem verbindlichen Ehrenkodex zu transparentem und professionellem Handeln, zur Einhaltung der Gesetze und zum Jugendschutz. Einzelne Stimmen in Medienberichten haben gemutmasst, dass Schweizer CBD-Cannabis-Produzenten hinter der illegalen Praxis der Anreicherung von natürlichem Hanf mit künstlichen Chemikalien stünden. Solcherlei Vorwürfe entbehren jeglicher Grundlage und zeugen von eklatanter Unkenntnis.

Es sind nicht Schweizer CBD-Produzenten, sondern kriminelle Organisationen, die den illegalen Handel mit THC-Hanf kontrollieren. Falls legal in der Schweiz erworbene Hanfblüten als Ausgangsprodukt für illegal veränderten Schwarzmarkt-Hanf verwendet werden, ist das ein Ärgernis – doch der Kern des Problems liegt im gesetzlichen Umgang mit Cannabis.

Früchte der Repression und der Prohibition

Während Jahrzehnten hat die Schweiz wie viele andere Staaten versucht, mit Prohibition und Repression gegen den Cannabis-Konsum vorzugehen. Diese Strategie erklärte die Eidgenössische Kommission für Suchtfragen (EKFS) in ihrer Analyse «10 Jahre Betäubungsmittelgesetz BetmG» für gescheitert. https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-74833.html

Das bestehende Betäubungsmittelgesetz orientiert sich einseitig an der Abstinenz und Prohibition. Cannabis wird trotzdem von rund 600’000 Menschen in der Schweiz konsumiert – ein grosser Teil davon entfällt auf Produkte mit einem THC-Gehalt über dem gesetzlichen Höchstwert.

Solange kein reguliertes und kontrolliertes Angebot existiert, werden sich Patienteninnen und Patienten sowie Konsumentinnen und Konsumenten weiterhin auf dem Schwarzmarkt eindecken müssen. Es ist stossend, dass dadurch der Schutz von Konsumentinnen und Konsumenten vollends ausgehebelt wird. Im Gegensatz zu allen anderen Produkten wie Käse, Mineralwasser, Schokolade, Tabak und Alkohol existiert aufgrund der Verdrängung in den Schwarzmarkt bei THC-haltigem Cannabis keine Analyse- und Deklarationspflicht. Die Sicherheit der Produkte bleibt eine Black Box, sowohl im Hinblick auf den Gehalt erwünschter Inhaltsstoffe als auch in Bezug auf Verunreinigungen durch Pestizide, Schwermetalle, Bakterien und Gifte aus Pilzerkrankungen. Insbesondere bleiben schwere Gefahren unerkannt, wie etwa solche aufgrund einer möglichen Anreichung mit synthetischen Cannabinoiden.

Die IG Hanf setzt sich für eine Regulierung der Hanfprodukte unter Einhaltung des Jugendschutzes sowie des Schutzes der Gesundheit von Konsumentinnen und Konsumenten ein. Mit dem Start der geplanten Pilotversuche zur regulierten Hanf-Abgabe unternimmt die Schweiz einen Schritt in die richtige Richtung. Die IG Hanf unterstützt diese und arbeitet aktiv mit den Bundesbehörden daran mit.

Für KonsumentInnen verweisen wir im Zusammenhang mit synthetischen Cannabinoiden und den damit verbundenen Risiken auf das entsprechende Factsheet der Suchtprävention Zürich vom April 2020 https://www.suchtfachstelle.zuerich/images/PDFs/Factsheet_Cannabinoide_Suchtpraevention.pdf).

Für Rückfragen: info@ighanf.ch