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19
Okt 2020

Für mehr Transparenz und Vertrauen: Software soll Hanfmarkt säubern

Daniel Stehlin, Spezialist der Baselbieter Staatsanwaltschaft (Stawa) für Drogenkriminalität, schlug kürzlich in dieser Zeitung Alarm. Immer mehr Fälle von besprühtem und so gestrecktem CBD-Hanf belasteten die Ermittler der Stawa. Dabei wird legales CBD-Hanf mit synthetischen Cannabinoiden besprüht. Diese Substanzen werden im Labor hergestellt und sollen die Wirkung von THC imitieren, das in illegalem Gras enthalten ist. So kann das Produkt als teureres THC verkauft werden.

Mehr Transparenz durch neue Methode

Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Basel stellte in einem Gutachten die Gefährlichkeit solcher Produkte zweifelsfrei fest. Für die Strafverfolgungsbehörden ist die Kontrolle schwierig. Auch die sauberen Schafe innerhalb der Wertschöpfungskette leiden unter den gestreckten Produkten.

Nun brachte die Vigia AG aus Zürich die Software Cannavigia auf den Markt, die für mehr Transparenz sorgen soll. Damit sollen sämtliche Stellen einer Wertschöpfungskette festgehalten und abgebildet werden. Damit würde CBD-Hanf ähnlich transparent produziert wie ein Medikament, erklärt CEO Luc Richner. «Bis anhin gab es für CBD-Produkte weniger Transparenzvorgaben als für normale Konsumgüter in der Migros oder Coop. Das wollen wir ändern.» Im Gegensatz zur Pharmaindustrie, in der solche Standards gesetzlich vorgeschrieben werden, sind diese im CBD-Markt noch immer freiwilliger Natur.

Vertrauen der Konsumenten stärken

Mit der Software der privaten Firma soll der Schwarzmarkt unterbunden werden, in dem sich die korrekten Hersteller und Lieferanten durch das System klar kennzeichnen können. Dadurch erhielten sämtliche Stellen der Lieferkette eine Lizenzierung, was für Transparenz sorge, betont Luc Richner von der Vigia AG. «Mit der Software wird für alle einfach ersichtlich, wer wie an der Lieferkette beteiligt ist.» Denn heute wissen nicht einmal die Hersteller selber, wie sauber ihr Abnehmer ist.

Bereits Kunde bei Cannavigia ist die Marry Jane AG, eine über die Landesgrenze hinaus tätige CBD-Produzentin aus Breitenbach. Gründer Mischa Gribi glaubt, dass ein System, das mehr Transparenz in die Wertschöpfungskette bringt, der ganzen Branche hilft. «Durch die Transparenz profitieren vom Endkonsumenten zum Grosshändler und den Zöllnern alle. Es kann zu jeder Zeit rückverfolgt werden, von wo das CBD kommt und wie es angebaut respektive wie gedüngt wurde.»

Mit solch einem System könne man auch proaktiv auf die Behörden und Zollämter zugehen. Auch das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten könne so gestärkt werden, betont Gribi.

Staatsanwaltschaft gibt sich zurückhaltend

Auch die staatlichen Strafverfolgungsbehörden würden durch die Software profitieren, sind die Zürcher Entwickler und auch Kunde Mischa Gribi überzeugt. Eine Kontrolle könne so fortlaufend stattfinden. «Die schwarzen Schafe sind von den sauberen Schafen viel einfacher zu trennen», verspricht Luc Richner. Er sieht die Software als «dynamisches Qualitätszertifikat» für sämtliche involvierten Stellen.

Bei der Baselbieter Staatsanwaltschaft gibt man sich aber zurückhaltend. Sprecher Michael Lutz schreibt: «Ob technische Hilfsmittel dazu beitragen können, den Anbau- und Vertriebsprozess von Cannabisprodukten zu verbessern, die legal hergestellt werden, können wir als Strafverfolgungsbehörde nicht kommentieren.»

Die Tätigkeit der Stawa müsse sich darauf konzentrieren, einzugreifen, wenn THC-haltige Hanferzeugnisse ohne Bewilligung hergestellt oder an sich legale CBD-Produkte nachträglich mit synthetischen Cannabinoiden versehen werden. «In beiden Fällen wird für einen illegalen Markt produziert. Zumindest rechtlich gesehen spielen Qualitätssicherungsaspekte dann keine Rolle mehr», erklärt Michael Lutz.

von Tobias Gfeller – bz